Medien-Trendmonitor: Journalismus im Zeitalter von Digitalisierung & Social Media

Im Juni 2010 wurde die von der dpa-Tochter news aktuell und Faktenkontor durchgeführte Studie „Medien-Trendmonitor 2010“ publiziert. Unter dem Titel „Journalismus in einem neuen Informationszeitalter“ wurden im Befragungszeitraum vom 01. bis zum 15. März 2010 insgesamt 2.682 Journalisten unterschiedlicher Medienbereiche in einer Internetbefragung zu den Themenschwerpunkten Digitale Zukunft, Paid-Content-Modelle, Social Media, Online-Nachrichten, PR-Videos und zu dem journalistischen Berufsbild befragt (Download der Studie [PDF]).

„Wie sind Sie als Journalist für die digitale Zukunft gerüstet?“

Auf die Frage wie sich die Journalisten für die digitale Zukunft gerüstet sehen antworteten 61,9 Prozent der Befragten, dass sie sich „gut“ oder „sehr gut“ gerüstet sehen. Nur 3,9 Prozent sehen sich „schlecht“ oder „sehr schlecht“ auf die neuen Herausforderungen vorbereitet. Interessant wird das Ergebnis, wenn man es nach Mediengattungen aufteilt. Während sich etwa 35,6 Prozent der Journalisten aus dem Online- und Multimediabereich „sehr gut“ gewappnet sehen, trifft dies bei Zeitschriften-Journalisten nur auf 9,8 Prozent und bei Zeitungs-Journalisten sogar nur auf 7,0 Prozent zu. Stattdessen sehen sich die Printjournalisten eher „mittelmäßig“ gut vorbereitet.

„Wie sind die deutschen Verlage und Medienunternehmen für die digitale Zukunft gerüstet?“

Weitaus schlechter sehen die Einschätzungen auf der Organisationsebene aus. Auf die Frage, wie die Journalisten die deutschen Verlage und Medienunternehmen für die digitale Zukunft vorbereitet sehen, antworteten lediglich 1,8 Prozent mit „sehr gut“ und nur 23,3 Prozent mit „gut“; „schlecht“ oder gar „sehr schlecht“ aufgestellt sagen hingegen 16 Prozent der Befragten. Interessanterweise sind es hier die Journalisten aus dem Online- und Multimediabereich, die die deutschen Verlage und Medienunternehmen besonders schlecht aufgestellt sehen. Während lediglich 14,4 Prozent der Online- und Medienjournalisten diese „gut“ aufgestellt sehen, sind dies bei Tageszeitungsjournalisten 22,7 Prozent, bei Zeitschriftenjournalisten 23,6 Prozent und bei Rundfunk-Journalisten sogar 34,5 Prozent.

„Welche Chancen sehen Sie grundsätzlich für Paid-Content-Modelle, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein?“

Für den Journalismus im Allgemeinen, aber insbesondere für den Online-Journalismus im Speziellen ist die Frage nach der Wirtschaftlichkeit fundamental wichtig. Nur durch die Etablierung eines tragbaren Geschäftsmodells abseits von Werbung, etwa durch Bezahlung durch die Rezipienten, kann die Unabhängigkeit der journalistischen Arbeit etwa vom Einfluss durch die Public Relations gewährleistet und journalistische Qualität sichergestellt werden. Und hier weisen die Ergebnisse des Medien-Trendmonitors eine eher negative Einschätzung auf. Auf die Frage welche Chancen die Journalisten grundsätzlich für Paid-Content sehen, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, antworteten nur 2,8 Prozent mit „sehr gut“ und nur 23,4 Prozent mit „gut“. „Schlechte“ oder gar „keine“ Chancen sehen hingegen 18,5 bzw. 2,9 Prozent der Befragten. Als größte Hürden für erfolgreiche Paid-Content-Modelle sehen 81 Prozent in der weit verbreiteten Umsonst-Mentalität des Internets und 63,1 Prozent in der Konkurrenz durch Anbieter, die ihre Inhalte kostenfrei zur Verfügung stellen.

„Welche Relevanz hat Social Media für die journalistische Arbeit?“

Dass die Journalisten Soziale Medien inzwischen als äußerst wichtig für die eigene Arbeit einschätzen zeigen die Ergebnisse auf die Frage nach der Relevanz von Social Media für die journalistische Arbeit. 46,9 Prozent sehen eine „hohe“, 8,1 Prozent sogar eine „sehr hohe Relevanz“. Lediglich ein knappes Drittel (31,9 Prozent) sieht in Sozialen Medien eine „geringe“, sogar nur 3,3 Prozent „gar keine Relevanz“. Noch interessanter wird dieses Ergebnis, wenn man es nach einzelnen Medienbereichen aufteilt. Während 70,2 Prozent der Online- und Multimedia-Journalisten in Sozialen Medien eine hohe oder sehr hohe Relevanz auf die journalistische Arbeit sehen, trifft dies immerhin noch auf 49 Prozent (Zeitungen) bzw. 52,5 Prozent (Zeitschriften) der Print-Journalisten zu. Nahezu ausgeglichen ist diese Einschätzung bei Nachrichtenagentur-Journalisten: 50 Prozent attestieren eine hohe oder sehr hohe und 43,6 eine geringe oder gar keine Relevanz. Nachrichtenjournalisten sind insofern interessant, da diese mit ihrer Arbeit wiederum als vielgenutzte Quelle für die Nachrichten aller anderen Journalisten fungieren.

Aufgeschlüsselt nach den Positionen der befragten Journalisten zeigt sich mit Ausnahme der Volontäre (72,7 Prozent) bei Redakteuren mit bis zu zwei Jahren Berufserfahrung (59,7 Prozent), Redakteuren mit mehr als zwei Jahren Berufserfahrung (47,2 Prozent), bei leitenden Redakteuren (55,8 Prozent) und bei freien Journalisten (58,8 Prozent) eine nahezu ähnliche Einschätzung von Social Media als hohe oder sehr hohe Relevanz für die journalistische Arbeit.

„Welche drei Social Media-Dienste nutzen Sie persönlich am meisten für Ihre Arbeit?“

Journalisten nutzen die verschiedenen Social-Media-Dienste unterschiedlich intensiv. Bei der Frage welche drei Social Media-Dienste von den befragten Journalisten am meisten benutzt werden, antworteten 38,3 Prozent mit Youtube, 37,5 Prozent mit Xing, 36,6 Prozent mit Facebook, 29,3 Prozent mit Twitter und lediglich 6,0 Prozent mit Flickr. Das heißt, dass es für PR-Schaffende wichtig ist mit eigenem Bewegtbild-Content auf der Videoplattform Youtube vertreten zu sein, sowie auch die Kanäle Facebook und Twitter inhaltlich zu bedienen, da hierüber jeweils mehr als ein Drittel der Journalisten erreicht werden kann.

„Welche Online-Nachrichten beobachten Sie für Ihre redaktionelle Berichterstattung?“

Für Recherchezwecke und als Quellen für Informationen greifen Journalisten Online nach wie vor insbesondere auf Nachrichtenseiten wie z.B. SPIEGEL Online (89,1 Prozent) oder Online-Newsletter (68,1 Prozent) zurück. Immerhin 28,4 Prozent der befragten Journalisten nutzen hierfür allerdings auch Blogs, 18,9 Prozent Twitter und 20,6 Prozent andere Social Media-Angebote.

„Für welche Zwecke setzen Sie Internet-Videos bei der Recherche ein?“

Nach wie vor spielen Videos eine besonders große Rolle im Rahmen der journalistischen Recherche. Dabei versuchen
Journalisten hierüber Unternehmen oder Organisationen kennenenzulernen (24,4 Prozent), Produkte und Dienstleistungen zu verstehen (30,2 Prozent), um sich ein Bild von Personen zu machen (38,2 Prozent) oder um im Original zu sehen, was Menschen zu bestimmten Themen sagen (30,7 Prozent). 34,1 Prozent der befragten Journalisten verfolgen per Internet-Streaming sogar Events oder Pressekonferenzen live.

„Wenn Ihre Redaktion Videos produziert oder veröffentlicht, auf welche Quellen greifen die Redakteure dann zurück?“

Was die Online- und Multimedia-Journalisten angeht, so greifen bei der Produktion von eigenen Videobeiträgen 20,2 Prozent auf Teile von fertigen Beiträgen zurück. 27,9 Prozent verwenden angebotene Footages und 29,2 Prozent sogar fertige Beiträge. Rundfunk-Journalisten geben an zu 26,2 Prozent auf Teile von fertigen Beiträgen, zu 28,5 Prozent auf Footage-Material und zu immerhin noch 18,7 fertige Beiträge einzusetzen.

„Wie hat sich das Verhältnis zwischen Journalisten und Pressesprechern7PR-Fachleuten entwickelt?“

Angesprochen auf das Verhältnis zwischen Journalisten und Pressesprechern bzw. PR-Fachleuten sieht fast die Hälfte der befragten Journalisten ein verbessertes oder sehr verbessertes Verhältnis (46,8 Prozent). Dass sich das Verhältnis verschlechtert oder gar sehr verschlechtert hat, sagen hingegen lediglich 25,2 Prozent der Befragten. Dabei sind kaum oder nur sehr geringe signifikante Unterschiede in der Bewertung des Verhältnisses zwischen den verschiedenen Medienbereichen festzustellen.

„Welche drei Fähigkeiten werden für Journalisten in Zukunft am meisten an Bedeutung gewinnen?“

Im Rahmen der Digitalisierung und der immer wichtiger werdenden Rolle des Internets bei der Rezeption von Informationen kommen auf die Journalisten neue Herausforderungen zu. Als wichtigste Fähigkeit wird dabei das parallele Arbeiten für Print, Web, SMS und Mobile gesehen (60,5 Prozent). Nahezu gleich wichtig wie das journalistische Handwerk an sich (37,3 Prozent) werden auch die Kommunikation und Interaktion mit den Rezipienten (34,6 Prozent) sowie überhaupt die Beherrschung moderner Internetkommunikation wie Social Media bzw. Web 2.0 (33,8 Prozent) angesehen. Dabei sind es nicht nur die Online- und Multimedia-Journalisten, die
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die Interaktion mit den Rezipienten als besonders wichtige Fähigkeit in der zukünftigen Arbeit einstufen (41,0 Prozent). Auch die Tageszeitungs-Journalisten sehen dies ebenso wichtig (40,2 Prozent). Logischerweise weniger wichtig sehen dies wiederum Journalisten von Nachrichtenagenturen (23,7 Prozent), bedienen diese traditionell eher Journalisten, als die Rezipienten an sich. Ganz anders jedoch zeigt sich das Bild hinsichtlich der Fähigkeit mit Sozialen Medien umgehen zu müssen. Während 43,3 Prozent der Online- und Multimedia-Journalisten und 39,8 Prozent der Nachrichtenagentur-Journalisten eine der bedeutendsten Fähigkeiten für die Journalisten sehen, stimmen dem nur 26,7 Prozent der Tageszeitungs-Journalisten zu.

„Was sind die drei größten Gefahren für den etablierten Journalismus?“

Dass der Journalismus den Verlust der Gatekeeper-Funktion befürchten muss, sieht mit 13,20 Prozent Zustimmung nur ein sehr geringer Teil der Befragten. Ebenso wird in der Konkurrenz durch branchenfremde Player wie Google oder Soziale Medien keine entscheidende Gefahr für den Journalismus gesehen (9,60 Prozent). Stattdessen sehen die befragten Journalisten in der Abkehr junger Menschen vom so genannten Qualitätsjournalismus (40,40 Prozent) oder in der Etablierung profitabler Erlösmodelle im Internet (29,80 Prozent) die größte Herausforderung für den etablierten Journalismus. Überhaupt werden das Internet insgesamt (12,7 Prozent) sowie Soziale Medien im Speziellen (6,3 Prozent) nur als geringe Gefahren für den etablierten Journalismus eingeschätzt. Durchaus bemerkenswert ist , dass im Vergleich aller Medienbereichen die Nachrichtenagentur-Journalisten den Verlust der Gatekeeper-Funktion (6,4 Prozent) am wenigstens, gleichzeitig aber die Konkurrenz durch Google und Soziale Medien am meisten (16,0 Prozent) fürchten. Tageszeitungs- und Rundfunk-Journalisten sehen hingegen sowohl im direkten Vergleich aller Medienbereiche sowie in den einzelnen Herausforderungen die Abkehr der jungen Menschen vom Qualitätsjournalismus als größtes Problem (48,9 bzw. 52,7 Prozent) und fürchten kaum branchenfremde Player oder Soziale Medien (7,4 bzw. 8,4 Prozent).

https://www.slideshare.net/newsaktuell/medien-trendmonitor2010-berichtsband