Medienmacht: Die Abhängigkeit der Rezipienten – Mediale Emanzipation & Kritische Hinterfragung als Ausweg

Am 17. Juni 2007 wurden im tschechischen Fernsehen erschreckende Bilder ausgestrahlt. Über den Bildschirm liefen gerade Panoramabilder, die eine Kamera des Wetterfernsehens aufgenommen hatte, als die Zuschauer plötzlich Zeugen einer Katastrophe wurden. Inmitten der grüne Landschaft, von Bergen umgeben, ging auf einmal ein Atompilz in die Luft. Langsam stiegen die Rauchwaden der atomaren Explosion in den Himmel, die Fernsehzuschauer waren live dabei!

Zum Nachdenken anregen

Wie sich allerdings im Nachhinein herausstellte, war es keine atomare Explosion, die die Rezipienten erlebten. Vielmehr handelte es sich um eine Inszenierung der tschechischen Künstlergruppe Ztohoven, die damit Kritik am Vertrauen in Fernsehbilder üben wollte.

Genau um 8 Uhr 16 Minuten und 29 Sekunden ging die Bombe hoch. Die automatische Kamera des Wetterfernsehens streifte gerade noch harmlos über die tschechische Landschaft, als ein Lichtblitz die Sicht nimmt. Kurz darauf steigt eine Pilzwolke gen Himmel, dann grieselt das Bild. (Quelle: Spiegel-Online)

Manipulation? Manipulation!

Ztohoven wollte mit dieser fingierten Aktion auf die Manipulationsmöglichkeiten der Fernsehbilder hinweisen und eine Diskussion über die Verzerrungsmöglichkeiten der Medien lostreten. Wie viel Vertrauen kann der einfache Rezipient in die von den TV-Stationen ausgestrahlten Bilder geben? Kann und darf man alles glauben, was einem über die Medien, aber besonders über das Fernsehen übermittelt wird?

Eine sehr schwierige Frage. Fakt ist, dass bereits bei den Nachrichten, die die verschiedenen Medienpublikationen an die Rezipienten weitergeben, eine Vorauswahl getroffen wurde. Die Verantwortlichen entscheiden, welche Nachrichten einen solch großen Nachrichtenwert besitzen, dass sie es wert sind, abgedruckt oder gesendet zu werden. Die Entscheidung allerdings unterliegt den individuellen Einschätzungen der Redakteure.

Agenda Setting im Vorfeld

Schafft es dann eine Nachricht über die Medien ausgestrahlt zu werden, dann stellt sich allerdings die Frage, inwieweit diese Meldung und deren Bewertung möglichst objektiv und wahrheitsgemäß wiedergegeben wurde. Ein und dieselbe Meldung kann je nach Medium unterschiedlich aufgefasst und weiterverbreitet werden.

Bestes Beispiel war doch Heiligendamm. Nachdem Angela Merkel und George W. Bush eine Einigung über den Klimaschutz verkündet hatten, wurde ein und dieselbe Meldung aus dem Inneren des Sicherheitszaunes in den unterschiedlichen Zeitungen und Fernsehsendern völlig gegenteilig bewertet. Die einen sahen einen wirklichen Durchbruch im Kampf gegen den Klimawandel, wohingegen andere von einem Scheitern sprachen und enttäuscht waren.

Subjektivität versus Objektivität versus Subjektivität

Sich als Rezipient blindlings auf eine Zeitung oder auf die Nachrichten eines Fernsehsenders zu verlassen, ist also mehr als gefährlich. Man begibt sich in eine Abhängigkeit einiger weniger Journalisten und Medienmacher und ist damit von deren Empfinden über Nachrichtenwerte und von deren individuellen Bewertungen abhängig. Gerade in einer Zeit, in der Kommunikationsmedien wie Fernsehen, Printpublikationen oder Internet mehr und mehr unseren Alltag bestimmen, ist es wichtig, sich als Rezipient eine breite Informationsbasis zu erhalten. Nur wer sich in verschiedenen Zeitungen, über mehrere Fernsehsender und auf unterschiedlichen Internetseiten seine Nachrichteninformationen sucht und auch unterschiedliche Betrachtungsweisen heranzieht, kann versuchen, sich ein wirkliches objektives Bild von den verschiedenen Geschehnissen und Vorgängen zu machen.

Den Medien deren Einschätzungen und Worte als unumstößlich hinzunehmen, ohne sie in Frage zu stellen ist gefährlich. Sich dabei nur auf eine Publikation zu konzentrieren ohne weitere Meinungen aus anderen Quellen heranzuziehen, grenzt an medial-meinungsbildenden Selbstmord. Denn so ist man wirklich den einzelnen Machern hinter den Worten und Bildern ausgeliefert. Manipulation und verzerrten Wahrnehmungen sind Tür und Tor geöffnet.

bluejax
Il, den 26. Juni 2007

Quellen und Links:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,489442,00.html
http://myspace.com/ztohoven