Peter Kruse über Agenda-Setting im Internet-Zeitalter

Für die Sendung Breitband vom Deutschlandradio Kultur, die sich mit den aktuellen Entwicklungen neuer und alter Medien auseinandersetzt, hat sich Moderator Philip Banse mit dem Organisationspsychologen Peter Kruse über das Thema „Agenda-Setting im Internet-Zeitalter“ unterhalten. Kernfrage: Wie kann sich im Zeitalter von Social-Media, in der potentiell jeder ein Medienmacher und Multiplikator ist, wo alle über alles reden und die Aufmerksamkeit weitflächig verteilt wird, die Gesellschaft noch auf Relevantes einigen?

Beim Agenda-Setting geht es darum, Themen in das öffentliche Bewusstsein zu bringen, so dass in einer breiten Öffentlichkeit darüber diskutiert wird. Entscheidend hierfür sind gemeinhin die Medien, die ein bestimmtes Thema aufgreifen, sich intensiv damit auseinandersetzen und es schließlich publizieren und damit auf die Agenda der öffentlichen Wahrnehmung hieven. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Thematisierungsfunktion der (Massen-)Medien.

Durch Thematisierung Öffentlichkeit schaffen

Den Journalisten kommt dabei die Rolle der Gatekeeper zu, die ein zuvor unbestimmtes Thema oder Ereignis erst zu einer Nachricht machen und diesem damit als „Türöffner“ oder „Schleusenwärter“ in die Öffentlichkeit dienen. Medien und Journalisten üben mit dieser Schwerpunktsetzung durch ihre Berichterstattung eine große Macht auf die Bildung der Öffentlichen Meinung aus. Sie bestimmen dem Agenda-Setting-Ansatz nach zwar nicht, was wir über die verschiedenen Sachverhalte denken, doch sie bestimmen über welche Sachverhalte wir uns überhaupt Gedanken machen!

Dass in der heutigen Zeit von Sozialen Medien und Sozialen Netzwerken im Internet nicht mehr nur Journalisten und traditionelle Massenmedien den alleinigen Anspruch erheben können, Themen und Ereignisse auf die öffentliche Agenda zu bringen, zeigt sich etwa in Beispielen wie der Diskussion um die Netzsperren aus dem Jahr 2009 (Stichwort: Zensursula), als ein Soziales-Netzwerk-Kollektiv von Bloggern im Internet – sozusagen eine digitale soziale Bewegung – das Thema auf die öffentliche Agenda gehoben hat. Es ließe sich sicherlich diskutieren, ob in diesem Zusammenhang vielleicht sogar der Begriff „Agenda-Building“ angebrachter wäre, was die Einflussnahme auf die politische Themenpräsenz in den Massenmedien umschreibt!

Agenda-Setting im Internet-Zeitalter

Peter Kruse hat sich in der Breitband-Ausgabe vom 24. April 2010 zu der Frage geäußert, wie digitale Netzwerk, bestehend etwa aus Blogs, Twitter, studiVZ und Facebook, Themen auf die politische Agenda bringen und damit Druck auf Staat und Politik ausüben können und veranschaulicht das ganze am Beispiel von „Unibrennt“.